»Hören wir noch einmal auf Servan [1767]: […] »Wenn ihr so die Kette der Ideen in den Köpfen eurer Mitbürger gespannt habt, könnt ihr euch rühmen, sie zu führen und ihre Herren zu sein. Ein schwachsinniger Despot kann Sklaven mit eisernen Ketten zwingen; ein wahrer Politiker jedoch bindet sie viel fester durch die Kette ihrer eigenen Ideen; deren erstes Ende macht er an der unveränderlichen Ordnung der Vernunft fest. Dieses Band ist um so stärker, als wir seine Zusammensetzung nicht kennen und es für unser eigenes Werk halten. Verzweiflung und Zeit nagen an Ketten aus Eisen und Stahl, sie vermögen aber nichts gegen die gewohnheitsmäßige Vereinigung der Ideen, sondern binden nur noch fester zusammen. Auf den weichen Fasern des Gehirns beruht die unerschütterliche Grundlage der stärksten Reiche.« (zitiert nach: Foucault, ÜS (2014) 131)
»In der Tat, wie könnte man die Menschen regieren, ohne zu wissen, ohne zu erkennen, ohne sich zu informieren, ohne Kenntnis der Ordnung der Dinge und des Verhaltens der Individuen zu haben? Kurz, wie könnte man regieren, ohne das zu kennen, was man regiert, ohne die zu kennen, die man regiert, und ohne die Mittel des Regierens und diese Menschen und diese Dinge zu kennen?« (ders., VL 79/80 (2014) 19)
In taktischer Gegnerschaft: »Die politischen Asketen, die sauertöpfischen Aktivisten, die Terroristen der Theorie, diejenigen, die die reine Ordnung der Politik und des politischen Diskurses bewahren möchten. Die Bürokraten der Revolution und die Funktionäre der Wahrheit.« (Vgl. Foucault, DE III (2003) 178-180)
»Der Hauptfeind, der strategische Gegenspieler« - der »Faschismus«:
»Der Hauptfeind, der strategische Gegenspieler: der Faschismus. Und nicht allein der historische Faschismus von Hitler und Mussolini […], sondern ebenso auch der Faschismus, der in uns allen ist, der unsere Gesinnung und unsere alltäglichen Verhaltensweisen heimsucht, der Faschismus, der uns die Macht lieben und genau das begehren lässt, was uns beherrscht und uns ausbeutet.« (Foucault, DE III (2003) 178)
»[…], weil uns ein Staat droht, der seine Funktionen über Gebühr bis hinein in die alltägliche Lenkung des Einzelnen ausdehnt.« (Foucault, DE III (2003) 469)
Da der Staat sein »eigener Zweck ist«, und die »Regierung« diesen beständig zu stärken hat, liegt es auf der Hand, dass die »Regierungen sich nicht um das Individuum zu kümmern haben«.
Allenfalls in dem Maße, wie dies zur »Stärkung des Staates« beiträgt: »was sie tun, ihr Leben, ihren Tod, ihre Tätigkeiten, ihr individuelles Verhalten, ihre Arbeit« etc.
In dieser Perspektive gibt es eine »politische Grenznutzentheorie«: was zählt ist einzig der »politische Nutzen«:
»[M]anchmal muss der Einzelne für den Staat leben, arbeiten, produzieren, konsumieren, und manchmal muss er für ihn sterben.« (Foucault, DE IV (2005) 1006)
»Und dennoch möchte ich hervorheben, dass die Macht des Staates — darin liegt einer der Gründe für seine Stärke — eine zugleich globalisierende und totalisierende Form von Macht ist. Nirgendwo sonst in der Geschichte der menschlichen Gesellschaften — nicht einmal in der alten chinesischen Gesellschaft — findet sich, wie ich glaube, innerhalb der politischen Strukturen eine so komplexe Verbindung zwischen Techniken der Individualisierung und totalisierenden Verfahren.« (Foucault, DE IV (2005) 276f)
»Gerichte, Gefängnisse, Krankenhäuser, psychiatrische Anstalten, Arbeitsmedizin, Universitäten, Presse- und Informationsorgane - all diese Institutionen beteiligen sich unter verschiedenen Masken an einer Unterdrückung, die in ihrer Wurzel eine politische Unterdrückung darstellt.« (Foucault, DE II (2014) 237f): »Stützpunkte der Macht der herrschenden Klasse«. (a.a.O., 617)
»So wirft man dem Ärztestand nicht in erster Linie vor, aus dem Arztberuf ein Geschäft zu machen, sondern eine nicht kontrollierte Macht über den Körper, über die Gesundheit, über Leben und Tod der Menschen auszuüben.« (a.a.O., 274)
Eure Polys im Dezember 2020