Wer? - Politisches

»[…] die positive Erkenntnis des Menschen wird druch die historische Positivität des Subjekts, das erkennt, begrenzt, so daß der Augenblick der Endlichkeit in dem Spiel einer Relativität aufgelöst wird, der zu entgehen nicht möglich ist und die selbst als ein Absolutes gilt. Endlich zu sein, hieße ganz einfach, von den Gesetzen einer Perspektive erfaßt zu sein, die ein bestimmtes Erfassen (vom Typ der Perzeption oder des Begreifens) gestattet und gleichzeitig verhindert, daß dieses jemals universale und definitive Bewußtheit (intellection) ist. Jede Erkenntnis wurzelt in einem Leben, in einer Gesellschaft, einer Sprache, die eine Geschichte haben.« (Foucault, OD (1990) 446)

  • Wir verstehen uns als Menschen einer Lebensgemeinschaft, die nun schon seit einigen Jahren stabil füreinander Sorge und Verantwortung tragen sowie füreinander einstehen. Wir haben langjährige Erfahrungen mit praktischer Selbst- und Gruppengestaltung sowie ihren theoretischen Reflexionen sammeln können. Wir gehen unterschiedlichen Berufen nach und bewegen uns reibungslos in unserer bürgerlichen Umgebung.

  • In unserer Gemeinschaft leben Kinder, für die wir ungeachtet ihrer genetischen Abstammung zusammen Verantwortung übernehmen und ihnen Vertrauenspersonen sind. In unserem liebevoll-familiären Umfeld erfahren sie sich als Geschwister.

  • Der Ausgangspunkt unseres anthropologischen und politischen Verständnis’ beschreibt sich - ohne gängige bürgerliche Terminologien strapazieren zu wollen - in diesem Satz: »Alle Menschen sind gleichwertig erschaffen.« Die Begriffe zur Gestaltung unserer Erfahrungshorizonte entnehmen wir - in teilweise synkretistischer Art und Weise - unterschiedlichsten Ideologien: anarchisch-nihilstischen, marxistischen, konstruktivistischen, psychologistischen sowie christlichen. So bündeln sich alle unsere (politischen) Spektren in einer Idee von innerem und äußerem Frieden, der - nach unserer Vorstellung - allen Menschen ein selbstbestimmtes und autonomes Leben mit seinen ganz individuellen Lebensformen und Ehtiken ermöglicht; die Gestaltung im Einzelnen, obliegt dabei allein dem Individuum und den einzelnen Gruppen.

» […] die universelle Wahrheit und das allgemeine Recht sind Illusionen und Fallen.« (Foucault, VL 75/76 (2016) 315)

» […] daß es unter diesen Bedingungen Heuchelei oder Naivität wäre zu glauben, daß das Gesetz für alle und im Namen aller geschaffen ist; daß es klüger ist anzuerkennen, daß es von einigen gemacht ist und auf andere anzuwenden ist; daß es zwar im Prinzip alle Bürger verpflichtet, sich aber in erster Linie an die zahlenmäßig stärksten und am wenigsten aufgeklärten Klassen richtet; daß die politischen und bürgerlichen Gesetze zwar für alle gleich sind, nicht aber ihre Anwendung; daß in den Gerichten nicht die Gesamtgesellschaft über eines ihrer Mitglieder urteilt, sondern daß eine mit der Ordnung beauftragte Schicht über eine andere, die der Unordnung geweiht ist, zu Gericht sitzt: […]. (ders., ÜS (1977) 355)