Die bürgerliche Lebens- und Ideenwelt, aus der die meisten Menschen in westlichen Ländern hervorgehen, stellt ihren Individuen nahezu keinerlei Möglichkeit bereit, diese Herkunft zu reflektierten oder ihren totalitären Charakter zu erfassen: gern postuliert sie eine Idee von universeller Moral, derer sich alles zu unterwerfen hätten und gibt ihre Handlungs- und Denkweisen als alternativlose Vernunft schlechthin aus, die eigentlich einer eigens konstituierten Rationalität folgen.
»Die schöne Totalität des Individuums wird von unserer Gesellschaftsordnung nicht verstümmelt, unterdrückt, entstellt; vielmehr wird das Individuum darin dank einer Taktik der Kräfte und der Körper sorgfältig fabriziert. […] Wir sind nicht auf der Bühne und nicht auf den Rängen. Sondern eingeschlossen in das Räderwerk der panoptischen Maschine, die wir selber in Gang halten – jeder ein Rädchen.« (Foucault, ÜS (2014) 278f)
Auch in den bürgerlichen Bildungsinstitutionen, die die meisten Menschen unserorts durchlaufen müssen, gibt es keine Bereiche, in denen sie etwas über Funktionsweisen ihres Bewusstseins (Psyche, Seele, Persönlichkeit, Gewissen, Subjektivität), also über ihre Identitäts-Mechaniken erfahren würden. Dies mag in der Sache begründet liegen, dass alle bürgerlichen Institutionen einem Gouvernementalitäts-Prinzip folgen: d.h. sie bringen den Normalbürger (›Normalisierungsmacht‹) hervor und führen und leiten ihn ein Leben lang (›Pastoralmacht‹).
»Der Durchsetzungserfolg der hier eingesetzten Machtformen entspricht gerade dem Vermögen ihre Mechaniken zu verschleiern: Das Geheimnis ist kein Missbrauch, sondern unerlässlich für ihr Funktionieren.« (Foucault, WzW (1976) 87)
Der Polymorphose e.V. bietet Einzelpersonen, Paaren und Gruppen Beratung in ihren Lebens- und Beziehungsführungen an, um ihren selbst gewählten Lebensweg in selbst erwählter Art und Weise zu vollziehen oder ihn ggf. zu transformieren: wir assistieren bei der Entwicklung von autonomer Subjektivität und Ethik sowie bei der Etablierung von neuen Ökonomien der Machtbeziehungen innerhalb der Gruppe.
Bis voraussichtlich Ende 2026 werden wir dafür unser Konzept evaluieren.