Veranstalter: Polymorphose - Verein für neue Lebensformen, autonome Selbstkulturen und ästhetische Lebenskünste e.V.
Zeitraum: Februar – Mai 2023,
Zeit: 19:30 - 21:30 Uhr
Frequenz: wöchentlich - immer mittwochs
Ort: Vereinsräume Rosenweg 3, OT Baek, 16928 Groß Pankow (Prignitz)
START: 01.02.2023
Anmeldung: Eine Teilnahme ist nur mit vorheriger unverbindlicher Anmeldung per Email oder Telefon möglich.
Lektüre- und Themenplan: Hier herunterladen
Im April 2023 setzt der Polymorphose e.V. seine seminarartige Veranstaltungsreihe zu Michel Foucaults Schriften und Denken fort. Foucault gehört unserer Meinung nach zu den einflussreichsten Denkern der Gegenwart: er ist Begründer einer neuen »Diskursordnung«; sein Werk prägt entscheidend alle Kultur- und Sozialwissenschaften. Von 1970 bis zu seinem Tod 1984 hatte er einen der höchsten französischen Lehrstühle am Collège de France in Paris inne; er benannte ihn selbst: »Die Geschichte der Denksysteme«.
»Schließlich habe ich zu klären versucht – und daran arbeite ich auch gegenwärtig noch -, auf welche Weise ein Mensch zum Subjekt wird. Dabei habe ich meine Forschungen auf die Sexualität ausgerichtet und zum Beispiel untersucht, auf welche Weise der Mensch gelernt hat, sich als Subjekt einer ›Sexualität‹ zu begreifen. Das umfassende Thema meiner Arbeit ist also nicht die Macht, sondern das Subjekt.« (Foucault, DE IV (2005) 270)
» […] die Vorstellung, geschützt in einer lernbegierigen Umgebung, in einem intellektuellen Milieu zu leben, hat mich immer fasziniert.« (Foucault, DE IV (2005) 646)
»Welche Beziehungen bestehen zwischen Wahrheit, Macht und Selbst?« (Foucault, DE IV (2005) 965f)
Hier findet ihr eine Vorlesungszummenfassung.
Weitere Themenschwerpunkte sind dem Lektüre- und Themenplan zu entnehmen.
»Wie wurde das Subjekt zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen institutionellen Kontexten als mögliches, wünschenswertes oder sogar unerlässliches Objekt der Erkenntnis etabliert? Wie wurden die Selbsterfahrung und das Wissen über sich selbst in den verschiedenen Schemata geordnet? Wie wurden diese Schemata definiert, bewertet, empfohlen und durchgesetzt?« (Foucault, DE IV (2005) 258-264)
»Den nützlichsten Leitfaden bieten wohl die »Techniken des Selbst«, wie man sie nennen könnte, also die in allen Kulturen anzutreffenden Verfahren zur Beherrschung oder Erkenntnis seiner selbst, mit denen der Einzelne seine Identität festlegen, aufrechterhalten oder im Blick auf bestimmte Ziele verändern kann oder soll. Es geht darum, die für unsere Kultur so typische Forderung nach Selbsterkenntnis in den umfassenderen Rahmen der mehr oder weniger expliziten Frage zu stellen, was man mit sich selbst tun, welche Arbeit man an sich verrichten und wie man »Herrschaft über sich selbst« erlangen soll durch Aktivitäten, in denen man selbst zugleich Ziel, Handlungsfeld, Mittel und handelndes Subjekt ist.« (Foucault, DE IV (2005) 258-264)
»Dieses Projekt liegt am Kreuzungspunkt zweier schon früher behandelter Themen: einer Geschichte der Subjektivität und einer Analyse der Formen der »Gouvernementalität«.« (Foucault, DE IV (2005) 258-264)
»Die Geschichte der »Sorge um sich« und der »Techniken des Selbst« ist also gleichfalls eine Geschichte der Subjektivität, allerdings nicht mehr auf dem Weg über die Teilung zwischen Irren und Nichtirren […], sondern über die in unserer Kultur erfolgte Herstellung und Veränderung der »Beziehungen zu sich selbst« samt ihrem technischen Apparat und ihren Auswirkungen auf das Wissen. Man könnte das Problem auch der »Gouvernementalität« unter einem anderen Blickwinkel angehen, nämlich dem der Herrschaft über sich selbst im Zusammenhang mit den Beziehungen zu den anderen (wie wir sie in der Pädagogik, den Ratgebern zur Lebensführung, der spirituellen Anleitung oder den Anweisungen für ein vorbildliches Leben finden).« (Foucault, DE IV (2005) 258-264)
»Denn die »Technologie des Selbst« — das Nachdenken über Lebensweisen, die Wahl einer Lebensform, die Regulierung des eigenen Verhaltens, die Selbstzuweisung von Zielen und Mitteln — erfuhr in der hellenistischen und römischen Zeit eine derartige Entwicklung, dass sie die philosophischen Aktivitäten zu einem guten Teil absorbierte.« (Foucault, DE IV (2005) 258-264)